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Pilgern mit jungen Menschen

Pilgern mit der jungen kirche mittelschweiz

Wer ist die junge kirche mittelschweiz?

Die junge kirche ist als Jugendverband, Teil der Jugendarbeit der evang. ref. Landeskirchen der deutschen Schweiz. Der Kreis Mittelschweiz (nachfolgend jk mch genannt) ist einer von vier Kreisen der jungen kirche.

Wen spricht die jk mch mit ihrem Pilgerangebot an?

Die Pilgerangebote wurden von jungen Menschen zwischen 20 und 30 Jahren besucht. Es nahmen jeweils 9 bis 20 junge Menschen an den einzelnen Angeboten teil.

Welche Fragen standen am Anfang?

Was können wir jungen Menschen bieten, damit sie ihren Glauben und ihre Religiösität reflektieren, überdenken und erleben können? Wie kann Religiösität und Glauben auch ausserhalb von gewohnten Gefässen wie z.B. Andachten, Fürbittegottesdiensten oder Jugendgottesdiensten erlebt werden? Diese Suche nach einer erlebbaren, ganzheitlichen Form ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Wir begannen in unserer christlichen Tradition nach Impulsen und Ideen zu suchen. Dies führte uns - bereichernd - über konfessionelle Grenzen hinaus. So kamen wir zur Idee des Kreuzweges, der ja dem Pilgern im Kleinformat nahekommt.

Der Kreuzweg / Stationenweg als Vorstufe zum Pilgern

Am Anfang stand also die Idee des Kreuzweges. Dies bedeutete unterwegs zu sein und an verschiedenen Stationen halt zu machen und sich dabei Themen zu widmen (z.B. Advent / Weihnachten / Karfreitag / Ostern usw.). Wir begannen im Dezember 1993 am Adventweekend,einen Stationenweg einzubauen. Die Mischung, von Wandern, Schweigen und sich an verschiedenen Stationen mit einem Thema Auseinandersetzen stiess auf ein gutes Echo der Teilnehmenden. Der Stationenweg wurde für die nächsten vier Jahre zum festen Bestandteil unser Arbeit.

Die ersten Schritte auf dem Pilgerweg

Stand zuerst der Inhalt der einzelnen Stationen im Mittelpunkt, stellte sich bald einmal die Frage nach der Route und der Dauer eines Stationenweges. So war es naheliegend, dass wir auf das Pilgern und auf den Jakobsweg stiessen.

1996 begannen wir am Bettag mit einer kleinen Pilgerreise vom Türlersee nach Kappel am Albis zum Haus der Stille. Wiederum stiess dieser Halbtagesausflug mit Wandern verbunden mit geistlichen Inhalten auf ein gutes Echo der ca. 20 Teilnehmenden.

Pilgerstab und Muschel

1997 war es dann soweit. Wir begaben uns zum ersten Male mit 10 jungen Menschen für zwei Tage auf den Jakobsweg. Im Frühsommer führte uns der Weg von Affeltrangen nach Steg im Tösstal. Übernachtet wurde im Benediktinerkloster Fischingen.

Am Bettag 1997 führte uns dann der Weg weiter. Von Stans ging es nach Flüeli Ranft zu Bruder Klaus.

1998 gingen wir da weiter wo wir im vorhergehenden Jahr aufgehört hatten. Vom Tösstal führte uns der Weg über Rapperswill und Hirzel nach Einsiedeln. Diesmal übernachteten wir bei den Kapuziner in Rapperswil.

Am Bettag 1998 wiederholten wir einen Teil des Weges. Wir gingen von Pfäffikon (Sz) über den Hirzelpass nach Einsiedeln.

Erfahrungen und Fazit

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden war jedesmal sehr positiv und das Pilgern wurde zu einer bleibenden Erinnerung. Das Pilgern war im Verständnis der evangelisch reformierten jungen Menschen die daran teilnahmen eher etwas Unbekanntes und als typisch katholisches Element verstanden. Grundwissen über das Pilgern und die Kultur der Klöster war seitens der jungen Menschen wenig vorhanden. Sie hatten unklare Vorstellungen über das Pilgern und das Leben im Kloster. Das Pilgern und vor allem die Aufenthalte im Kloster, trugen zu einem bereichernden ökumenischen Verständnis bei.

Die Mischung von Wandern, Innehalten an verschiedenen Stationen und teilweise schweigendem Gehen hielten wir jeweils bei. Die stärksten Erlebnisse waren jedes mal das schweigende Gehen und die Aufenthalte im Kloster. Vor allem die freiwillige Teilnahme am Chorgebet, die herzliche Aufnahme im Kloster und die spannenden Begegnungen gaben im Nachhinein viel zu reden. Einige der Teilnehmenden konnten sich sogar vorstellen, eine gewisse Zeit (eine Woche) im Kloster zu verbringen oder einen Teil des Jakobsweges in Frankreich oder Spanien zu gehen. Die meisten packte es auf unerklärliche Weise und sie kündigten an, am nächsten Pilgerwochende wieder dabeisein zu wollen. Da wir beim Gehen viel Zeit hatten ergaben sich immer wieder viele Gespräche unter den Teilnehmenden über Gott und die Welt. Das Pilgern bot den Hintergrund für spannende Diskussionen über die Bedeutung des Glaubens im eigenen Leben. Als Leiter wurde ich beim Gehen oft in ein Zweiergespräch über den Glauben, das Zweifeln und über meine Haltung verwickelt. Diese Gespräche forderten mich jeweils immer wieder stark und diese nebenbei Gespräche machten einen Teil der Qualität des Pilgerns aus. Die jungen Erwachsenen, die mit dem Kreismitarbeiter die Angebote vorbereitet hatten, liessen sich vom Pilgerweg begeistern. Dies empfinden wir als Grundvoraussetzung sich mit Menschen auf das Pilgern einzulassen. Die Teilnehmenden spürten natürlich sofort, dass die LeiterInnen sich wirklich mit dem Thema befasst hatten und auf eigene Erfahrungen des Pilgerns und auf Klosteraufenthalte zurückgreifen konnten.

Schwierig wurde es mit der Zeit, einen geeigneten Weg zu finden. Viele Regionen der Schweiz sind stark besiedelt und das Gehen auf Asphaltstrassen und z.B. die Nähe zu Autobahnen wurden als störend empfunden. Dazu kommt noch, dass bei einer ein- oder zweitägigen Pilgerreisen der Anreiseweg von Zürich aus nicht allzulang sein darf.